The Burger Republic – Julian Fuchs und Evgeny Kislitsyn

Schwerpunkte des Interviews: Werdegang (INTRO), Finanzplanung

INTRO

v.l.n.r.: Julian Fuchs und Evgeny Kislitsyn, Gründer von The Burger RepublicThe Burger Republic öffnete im Mai 2014 unter dem Motto „Alles außer Fastfood“ seine Türen für die ersten Gäste. Geführt wird die Burger-Bude der noblen Art von zwei zielstrebigen Gründern: Julian Fuchs und Evgeny Kislitsyn. Julian hat BWL studiert mit Schwerpunkt Unternehmensführung und hat danach bei Sixt als Filialleiter gearbeitet. Richtig zufrieden war er mit seinem beruflichen Werdegang allerdings noch nicht. Evgeny, der Küchenchef, hat Wirtschaftsinformatik studiert und hatte schon zu Beginn des Studiums des dumpfe Gefühl, dass er in diesem Berufszweig nicht lange bleiben wird. Vier Monate bevor ihre berufliche Laufbahn eine abrupte Wendung machen würde, lernten sich beide über Freunde von Freunden kennen. Die Idee für ein Burger-Restaurant gab es schon und so wurde in Rekordzeit sowohl das Konzept ausgearbeitet als auch die Umsetzung gestemmt: Im Februar 2014 im alten Job aufgehört, im Mai 2014 eröffnet. Das nenne ich „Gesagt, getan!“.

Warum ist „Finanzplanung“ als Schwerpunkt des Interviews angegeben, obwohl diese Rubrik mit zwei Sätzen abgehandelt wird? Es ist mehr die Vorarbeit durch Recherchen, die in diesem Interview besonders interessant ist…


INTERVIEW

Produkt/Dienstleistung

Wir machen in erster Linie Burger, die mit viel Sorgfalt und vor allem FRISCH zubereitet werden. Und damit meinen wir jede Zutat daran. Die Burger-Varianten sind außergewöhnlich und mit viel Liebe/Leidenschaft für gutes Essen zusammengestellt. Zusätzlich haben wir frisch gemachte Pommes und Süßkartoffelchips, Salate und Spare Ribs im Angebot. Die Soßenrezepte haben wir selbst zusammen mit unserem Lieferanten entwickelt. Also auch hier verarbeiten wir nichts von der Stange.

Einige Rezeptideen entstehen durch Anregungen von unseren Gästen. Die glutenfreien Brötchen z.B. sind auf Betreiben eines Gastes in unser Haus geflattert. Sie hat einen Lieferanten für glutenfreie Brötchen angerufen, damit er uns eine Testlieferung schickt. Wir dachten, „Ok, posten wir’s mal auf Facebook und schauen was passiert“. Innerhalb von 2 Wochen waren alle verkauft. Seither bieten wir glutenfreie Burger an und die vegetarische Variante ist ähnlich ins Sortiment gerutscht. Wir schätzen den Kontakt zu unseren Gästen sehr und suchen bewusst das Gespräch mit ihnen, um unser Angebot weiter zu verbessern.

Rechtsform

Wir haben uns für die GmbH entschieden, da wir bei dieser Rechtsform eine Trennung zwischen Gesellschafter und Geschäftsführer haben. Da wir für Umbau der Räumlichkeiten und die Anschaffung der Geräte und der Inneneinrichtung eine größere Startsumme gebraucht haben, waren die erforderlichen 25.000 Euro Startkapital für uns kein Minuspunkt. Unser beider Studium war bei dieser und anderen Entscheidungen nützlich, um sich schneller in der Materie zurecht zu finden und realistisch an die Sache ran zu gehen.

Branche und Markt

Wir haben viel Internetrecherche betrieben, um das bisherige Angebot in Stuttgart zu checken. Und dann sind wir einfach testessen gegangen. Wir haben einige Restaurants in Stuttgart ausprobiert, aber auch in einigen anderen Städten und Ländern, um herauszufinden was geht und was nicht geht. Das alles nützt aber nichts, wenn uns keiner findet, der Standort war also total wichtig. Wir wussten, dass wir in Zentrumsnähe eröffnen müssen, um uns etablieren zu können. Im November 2013 war bereits eine Location in der engeren Wahl. Also haben wir dort eine Frequenzzählung gemacht, um zu sehen wie viele an dem Lokal vorbei laufen. Es war bereits bekannt, dass in Kürze ein großes Einkaufszentrum wenige Meter entfernt gebaut werden soll. Damit würde das Viertel, in dem wir die Location mieten wollten, aufgewertet und die Frequenzzahlen eher noch steigen. Im Januar 2014 haben wir dann den Mietvertrag fest gemacht.

Herstellung und Preis

Man macht so seine Erfahrungen, welches Stück Fleisch das beste ist und entscheidet sich trotz Verlusten in der Marge für die Qualität. Außerdem mussten wir den WKD (Wirtschaftskontrolldienst) davon überzeugen, dass bei uns alles fachmännisch, sauber und hygienisch zugeht wenn wir das Fleisch täglich frisch wolfen. Und das obwohl wir keine gelernten Köche sind. Um den Beweis anzutreten, haben wir mehrfach Proben an ein Institut geschickt – mit super Ergebnissen für uns. Das waren eben so die ersten Hürden, die wir nehmen mussten bevor wir mit dem eigentlich Kerngeschäft starten konnten.

Was die Preise angeht, haben wir die Speisekarten der Konkurrenz studiert, um ein realistisches Niveau zu finden. Und natürlich spielte die klassische Kalkulation eine Rolle (Wareneinsatz, Nebenkosten, usw.). Ein paar Gäste haben anfangs nicht verstanden, warum ein Burger sieben Euro kostet. Es hat etwas Überzeugungsarbeit erfordert, um zu zeigen, dass sich unsere Burger nicht mit einem Fastfood-Produkt vergleichen lassen und dass an unseren Gerichten wirklich alles frisch und handgemacht ist. Spätestens wenn der Gast den Burger dann auf dem Teller und den ersten Bissen genommen hatte, war die Diskussion vom Tisch.

Marketing und Vertrieb

Die meiste Reichweite und Interaktion haben wir bei Facebook. Aber wir haben auch offline Werbung gemacht und einfach vor der Eröffnung und während der Umbauarbeiten ein Plakat ins Schaufenster gehängt, damit die Leute sehen, was hier entsteht. Die Eröffnung war im Mai 2014 und im September kamen immer noch Gäste, die auf dieses Plakat hin gekommen sind. Durch das Studium kennen wir uns auch etwas mit Suchmaschinen-Optimierung aus, sodass man unsere Website an erster Stelle findet, wenn man „Burger Stuttgart“ in Google eingibt. Viel lief aber auch einfach über Mund-zu-Mund-Propaganda.

Insgesamt waren bei unserer Gründung Kontakte sehr wichtig – auch wenn es manchmal über ein paar Ecken ging. Unsere Inneneinrichtung zum Beispiel stammt vom Bekannten einer Bekannten und die Wanddeko (direkt auf Holz gedrucktes Panorama von Stuttgart)  und von einem ehemaligen Klassenkameraden. Unser Corporate Design wurde von der Ex-Kollegin eines Schulfreundes entworfen, die bei einer Werbeagentur gearbeitet hat und mittlerweile auch selbstständig ist.

Finanzplanung

Wir haben Kostenschätzungen für den Umbau anhand von Kostenvoranschlägen und Preisrecherchen erstellt. Die Umsatzprognose haben wir anhand der erwähnten Frequenzzählungen gemacht.

Unternehmenskultur, Werte, Philosophie

Wir lieben gutes Essen! Wir wollen nicht unbedingt etwas komplett ANDERES, sondern hauptsächlich BESSERES Essen anbieten.

Größter Fehler – größter Erfolg

Die Planung der Kücheneinrichtung und der Küchengeräte haben wir logischerweise einem Küchenplaner für Gastronomie überlassen. Bei diesem speziellen Lieferanten haben wir gesundes Hinterfragen gelernt.  Am besten nicht auf mündliche Zusagen verlassen, Liefertermine immer schriftlich bestätigen lassen. Ein paar Sachen waren überraschenderweise nicht für den Dauerbetrieb ausgelegt. Wir haben in der Küche zum Beispiel keine einzige Glühbirne mehr von der Eröffnung, weil sie durchgebrannt sind. Solche Aufreger kann man mit der Zeit zum Glück beseitigen.

Seit der Gründung hatten wir viele kleine Erfolge, besonders stolz sind wir aber auf die Auszeichnung in „Der Feinschmecker“. Eigentlich weniger spektakulär, aber mit erstaunlicher Wirkung war die Erwähnung von The Burger Republic im Bahn-Magazin. Für uns eigentlich keine Referenz wie der Der Feinschmecker, aber viele lesen das Magazin und haben uns darauf angesprochen. Die gute Umsatzentwicklung und das positive Feedback unserer Gäste ist aber die wichtigste Auszeichnung.

KONTAKT http://www.theburgerrepublic.de/; Imagefilm auf Youtube


ABSPANN

Obwohl Julian Fuchs und Evgeny Kislitsyn vorher beruflich gar nichts mit Gastronomie zu tun hatten, haben sie erfolgreich ein Unternehmen gegründet, das bereits ausgezeichnet wurde. Was wirtschaftliche Zusammenhänge und Mechanismen angeht, waren sie gut auf das Gründungsprojekt vorbereitet. Denn auch die beste Idee muss sich am Schluss auch in konkrete Zahlen fassen lassen. Einige wichtige Entscheidungen wurden gründlich recherchiert, es wurde getestet und gezählt und … der große Schritt gewagt. Zügig, ohne Umschweife und mit vollem Einsatz. Besonders schmunzeln musste ich, als ich erfahren habe, das der vegetarische und glutenfreie Burger ursprünglich gar nicht geplant waren. Da jemand in meiner Verwandschaft Zöliakie hat und bisher immer die Labber-Brötchen von den McDonalds-Frikadellen runter nehme musste, tat’s mir irgendwie leid und wir testeten The Burger Republic – und das ungelogen NUR wegen den glutenfreien Burgern. Zum Glück!

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